Im Museum der Burg Wendelstein ist aktuell und bis zum Saisonende die Sonderausstellung „Von Vacha nach Amerika – 250 Jahre hessische Truppen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ zu sehen und zu erleben. Was das mit dem Namensgeber des Vachaer Gymnasiums, Johann Gottfried Seume, zu tun hat, lesen Sie im nachfolgenden Beitrag und erfahren Sie bei einem Museumsbesuch…

Von Jürgen Körber

Vacha: Das Stadtmuseum in der Burg Wendelstein feiert im Juni dieses Jahres sein 40-jähriges Bestehen, der Heimat- und Geschichtsverein Vacha sein 35-jähriges Gründungsjubiläum. Zu den Hauptaufgaben des 1991 gegründeten und aktuell 24 Mitglieder zählenden Vereins unter Leitung des 1. Vorsitzenden, Olaf Ditzel, gehört die Betreuung und Pflege des Stadtmuseums in der über 800 Jahre alten Burg Wendelstein, dem Nachfolger der am 8. Juni 1986 zur 800-Jahrfeier der Stadt Vacha eröffneten Heimatstube. In den historischen Räumen des Museums mit mehr als 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden vor allem dauerhaft die verschiedensten Exponate zur Stadt- und Regionalgeschichte präsentiert. Im Dachgeschoss des Stadtmuseums ist darüber hinaus mit über 2000 Exemplaren eine der größten Puppensammlungen Thüringens zu sehen und zu erleben.

Eine Zeitreise in die Geschichte

Mit der aktuellen, wesentlich durch den 2. Vorsitzenden des Vachaer Heimat- und Geschichtsvereins, Michael Höhn, konzipierten, aufwendig und informativ gestalteten und zum Saisonbeginn eröffneten Sonderausstellung „Von Vacha nach Amerika – 250 Jahre hessische Truppen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ mit einer Vielzahl überaus interessanter Exponate wird im Museum der Burg Wendelstein ein interessanter Teil sowohl regionaler als auch überregionaler Geschichte der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Johann Gottfried Seume – in Vacha zwangsrekrutiert

Vor 250 Jahren, im Frühjahr 1776, brachte der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (19. April 1775 bis 3. September 1783) tiefgreifende Veränderungen für viele Familien in Vacha und Umgebung. Zahlreiche Männer aus der damals hessischen Stadt und umliegenden Orten wie Sünna und Oechsen verließen ihre Heimat, um im Auftrag ihres Landesherrn auf britischer Seite gegen die aufständischen Kolonisten unter Führung von George Washington, dem späteren 1. Präsidenten von Amerika, zu kämpfen. Die aktuelle Sonderausstellung beleuchtet dieses besondere Kapitel regionaler Geschichte anhand von Originalquellen, Tagebüchern, anhand verschiedenster Exponate und historischen Karten.

So erfährt der interessierte Ausstellungsbesucher unter anderem, dass etwa 30 000 deutsche Söldner, darunter etwa 20000 „Hessen“, an den kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Seite des Königreichs Großbritannien beteiligt waren und etwa die Hälfte der Überlebenden nach Kriegsende in Amerika blieb. Interessant, zu wissen, dass der deutsche Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume (dessen Namen das Vachaer Gymnasium trägt), 1781 auf dem Weg nach Paris von hessischen Soldatenwerbern ergriffen, zum Dienst in der Armee gezwungen und vom Landgrafen von Hessen-Kassel an England für den Kampf im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg „vermietet“ wurde, jedoch nach seiner Landung im August 1782 bei Halifax in Kanada, von Kampfhandlungen verschont blieb. Gleichermaßen interessant, dass ein Mann, dessen Vater in Vacha geboren wurde, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine bedeutende, ja entscheidende Rolle spielte: Friedrich Wilhelm von Steuben, seines Zeichens Generalmajor, Generalinspekteur und zeitweilig Generalstabschef von George Washington. Was gibt es Interessanteres als die regionale Geschichte?

Die Sonderausstellung „Von Vacha nach Amerika – 250 Jahre hessische Truppen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ ist bis zum Beginn der Winterpause Anfang Dezember zu den bekannten Öffnungszeiten im Museum der Burg Wendelstein zu sehen und zu erleben.

Bildunterschriften:

Bild 1-5117:         Die Burg Wendelstein- Domizil des Stadtmuseums und des Heimat- und Geschichtsvereins Vacha

Bild 2-3745:         „Von Vacha nach Amerika“ – Einladung zum Besuch der Sonderausstellung im Museum der Burg Wendelstein

Bild 3-5158:         Johann Gottfried Seume zu dieser Episode seiner Lebensgeschichte